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 Betreff des Beitrags: "Eyes wide shut" - Stanley Kubrick
BeitragVerfasst: 8. Jan 2011, 04:26 
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Admina
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Eyes Wide Shut - Stanley Kubrick
UK, USA; 1999
Länge 153 Minuten
Regie Stanley Kubrick
Drehbuch Stanley Kubrick, Frederic Raphael
Produktion Brian W. Cook, Jan Harlan, Stanley Kubrick
Musik Jocelyn Pook
Kamera Larry Smith
Schnitt Nigel Galt

Besetzung
* Tom Cruise: Dr. Bill Harford
* Nicole Kidman: Alice Harford
* Sydney Pollack: Victor Ziegler
* Todd Field: Nick Nightingale
* Sky du Mont: Sandor Szavost


Inhalt:
Bill Harford ist ein erfolgreicher junger Arzt, der mit seiner Frau Alice und seiner Tochter in New York lebt. Sein Leben verläuft in geordneten Bahnen, seine Ehe ist harmonisch - so denkt er. Die Entwicklung der folgenden Ereignisse soll ihn jedoch sehr bald eines Besseren belehren. Gemeinsam mit Alice besucht er die Weihnachtsparty eines gemeinsamen Freundes; beide genießen den Abend und geben sich harmlosen Flirts hin. Ein kurzer Zwischenfall irritiert Bill - während die Party in vollem Gange ist, wird er von Victor um Hilfe gebeten. Offensichtlich hatte Victor sich gerade mit einer Prostituierten vergnügt, die nun aufgrund von Drogen einen Zusammenbruch erlitten hat. Schnell erholt sie sich jedoch, und Victor wird eindringlich zu Diskretion angehalten.
Am nächsten Tag gerät das Paar, nachdem es gemeinsam Marijuana geraucht hat, in einen Streit um das Thema Treue. Bills Glauben an die Treue seiner Ehefrau wird in den Grundfesten erschüttert, als sie ihm unter Tränen gesteht, dass sie ihn im letzten Jahr im Gedanken mit einer flüchtigen Bekanntschaft betrogen hat und nahe daran war, ihn zu verlassen. Zutiefst gekränkt begibt Bill sich in das New Yorker Nachtleben, fest entschlossen, die Kränkung mit einem (tatsächlichen) Seitensprung seinerseits zu kompensieren. Dort trifft er auf einen ehemaligen Kommilitonen, der nunmehr als Pianist sein Geld verdient. Dieser vertraut ihm an, dass er einen speziellen Job an Land gezogen habe, bei dem ein elitärer Kreis Sex mit willigen Frauen habe. Treuherzig verrät er Bill, wie man dort hinein gelangt. Sofort macht Bill sich auf und gerät mitten in eine Zeremonie von hemmungslosem Sex, ohne den Hauch einer Ahnung zu haben, wer diese Menschen sind und worauf er sich da eingelassen hat.

Kritik:
Kubricks Vermächtnis an die Nachwelt, das er wenige Tage vor seinem Tod fertiggestellt hat, ist eine Romanverfilmung von Schnitzlers Traumnovelle, versetzt ins New York der Gegenwart.
Insgesamt 4 Jahre und etliche Umbesetzungen vergingen bis zur Vollendung. Diese Tatsache zusammen mit den Gerüchten um Tom Cruise und Nicole Kidman, die echten Sex vor der Kamera gehabt haben sollen, trug vermutlich maßgeblich zum großen Erfolg des Films bei. Dem Aufsehen, das er im Vorfeld bereits erregt hat, wird der Film jedenfalls nach meiner Ansicht nicht gerecht. Wer ästhetischen Sex in Verbindung mit Spannung erwartet hat, dessen Erwartungen werden enttäuscht. Das F-Wort den gesamten Film über inflationär zu verwenden, reicht 2011 für einen Skandal sicher bei Weitem nicht mehr aus..
Zu Kubricks Schwächen zählte in meinen Augen definitiv seine Unfähigkeit, Sex auf schöne und erotische Weise darzustellen, was er hier wieder sehr deutlich gezeigt hat. Die Sexszenen sind hart, kalt und gefühllos (z.T. sogar abstoßend, z.B. im Fall des Kostümverleihers, der zum Zuhälter seiner eigenen minderjährigen Tochter wird), und auch das Paar Bill und Alice, deren Darsteller ja zu der Zeit wirklich miteinander verheiratet waren, wirkt distanziert und einander in keiner Weise verbunden.
Mit einem anderen Regisseur und Produzenten hätte vermutlich ein erotisch ansprechenderer Film in schöner Kulisse daraus werden können, vor allem in Hinblick auf die Romanvorlage.
Dennoch finde ich Eyes Wide Shut nicht völlig misslungen. Der Plot ist sehr spannend, vermutlich deutlich spannender als die Romanvorlage; Kubrick hat mit Victor eine Person hinzugenommen, die zu weiterer Spannung betägt. Erwähnenswert sind auch die beeindruckenden Bilder, so z.B. bereits zu Beginn Victors Haus in einem Meer von Lichtern oder Bills nächtlicher Streifzug, der durch die Kameraführung etwas Surreales, Traumhaftes erhält. Man sollte ihn als Kunstfilm betrachten; genau das hätte Kubrick wahrscheinlich gewollt, und diesen Anspruch erfüllt er absolut. Die Darstellung von Traumbildern, die sich schließlich immer mehr mit der Realität mischen, ist ihm in meinen Augen hervorragend gelungen.

_________________
Zu den Steinen hat einer gesagt: 'Seid menschlich.'
Die Steine haben gesagt: 'Wir sind noch nicht hart genug.'
(Erich Fried)

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