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 Betreff des Beitrags: Sammelthread: Rezensionen zu (Auto-)Biografien
BeitragVerfasst: 9. Feb 2011, 13:22 
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Christiane F.,
Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Eigentlich ist der Inhalt des Buches schnell zusammen gefasst: Das Buch erzählt die Geschichte der (damals) 15-Jährigen Christiane und wie sie zum Heroin-Konsumenten wurde. Uneigentlich reicht jedoch nicht einmal das gesamte Buch aus, um wirklich die Geschichte zu erzählen, die hinter diesem Mädchen steht.
"Weiche" und "harte" Drogen, illegal und angeblich ja so leicht zu kontrollieren. Tödliche Fehleinschätzungen, Suizid und der Babystrich - allesamt Themengebiete, die nur allzu gerne aus der Öffentlichkeit verbannt werden würden und in diesem Buch erbarmungslos ehrlich zur Sprache kommen.


Bewertung

Es hat seine Gründe, warum dieses Buch bekannt, beliebt und berühmt ist. Sehr gute Gründe. "Wie Kinder vom Bahnhof Zoo" zeigt die Schattenseiten der bunt-fröhlichen Drogenszene und gibt Einblicke in das Seelenleben von Jugendlichen, die sich verzweifelt an das Leben klammern und ihm dabei doch entfleihen wollen. Erschreckend, abschreckend und faszinierend zugleich mag sich der Leser fragen, ob er sich derartige Einblicke nicht lieber erspart hätte.
Viele Fragen bleiben unbeantwortet - weil das Leben keine Antwort darauf hat. Die Realität, die durch die Buchseiten bricht, ist alles andere als ein Ponyhof.
Dieses Buch ist uneingeschränkt empfehlenswert, unabhängig davon, ob der Leser selbst mit der Drogenszene in Kontakt ist, sich einfach für dieses Thema interessiert oder einfach nur mit offenen Augen durchs Leben geht. Allerdings sollte die Lektüre auf keinen Fall abgebrochen werden, um nicht den falschen Eindruck zu vermitteln. Alles Konsequenzen, die es zum Zeitpunkt der Entstehung des Buches gab, sind essentiell und dürfen nicht verdrängt werden.

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 Betreff des Beitrags: Rezension: Katharina Wulff-Bräutigam, Bhagwan, Che und ich
BeitragVerfasst: 16. Feb 2011, 09:22 
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Katharina Wulff-Bräutigam,
Bhagwan, Che und ich. Meine Kindheit in den 70ern

Die Autorin schildert in diesem Buch, wie sie von ihren Eltern - beide begeisterte 68er - erzogen wurde. Oder besser: Wie sie nicht erzogen wurde. Grundlage der sog. antiautoritären Erziehung war der Gedanke, Erwachsene würden das natürliche Gute im Kinde nur zerstören und es ausschließlich negativ beeinflussen können. Sich auf diese Basis berufend überließen auch Katharinas Eltern ihre Tochter sich selbst, nahmen sie mit auf Partys, Treffen der Drogenszene und Seminaren von Sekten.
Sehr ausführlich beschreibt die Autorin dabei vor Allem ihre Zeit in diversen Kinderläden und anderen Nicht-Erziehungseinrichtungen, sowie die Bhagwan-Phase ihrer Mutter, die sich der zeitweise sehr populären Sekte verschrieben hatte.

Bewertung

Das Buch beschreibt nichts Neues, dies allerdings sehr anschaulich. Anhand konkreter Personen, Orte und Umstände werden Sinn und Usinn der 68er Bewegung sehr deutlich, allerdings nicht explizit ausgeführt. Deshalb stellt das Buch gerade für Jüngere Leser, die diese "revolutionäre" Zeit nicht selbst erlebt haben und die sich auch nicht weiter mit diesem Thema befasst haben, wahrscheinlich eher einen bunten, skurrilen Lebensbericht dar. Unter der voraussetzung der fehlenden Hintergründe durchaus unterhaltsam, aber sehr viel mehr auch nicht.

Ich sträube mich ein wenig, den Begirff "Autobiografie" zu verwenden, da das Buch im Grunde genommen keine solche darstellt. Auch der Untertitel ("Meine Kindheit in den 70ern") ist nur sehr eingeschränkt zutreffend: Über weite Textstrecken geht es primär um die Eltern der Autorin und deren persönliche Entwicklung, nicht aber um die eigentliche Kindheit der Autorin selbst. Ob dies positiv oder negativ zu bewerten ist, hängt vom Leser ab; für mich persönlich war es eigentlich sehr wertfrei, mich stört nur der "Etikettenschwindel".

Wesentlich störender ist der teilweise recht sprunghafte und unstrukturierte Aufbau des Buches. Die einzelnen Kapitel stellen in ihrer Reihenfolge keine durchgängige, chronologische Reihenfolge dar und auch innerhalb der Kapitel kommt es oft zu Gedanken- und Zeitsprüngen. Die Überschriften der Kapitel sind wenig aussagekräfig, dafür aber umso reißerischer formuliert und decken sich nur teilweise mit dem tatsächlichen Inhalt der jeweiligen Textpassage.

Der Schreibstil ist sehr einfach und sachlich gehalten, ein rascher Lesefluss ist gegeben und macht es auch sehr einfach, Abschnitte nur zu überfliegen und trotzdem ihren Inhalt zu erfassen.

Fazit: Kein Buch, das man unbedingt lesen muss, aber durchaus ganz nett für "nebenbei" oder zum auffrischen von nostalgischen Erinnerungen. ;)

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 Betreff des Beitrags: Re: Rezension: Katharina Wulff-Bräutigam, Bhagwan, Che und ich
BeitragVerfasst: 18. Feb 2011, 16:14 
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Admina
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Das erinnert mich ein wenig an "Das Dosenmilch-Trauma" von Jess Jochimsen, der gar nicht erst versucht, ernsthaft zu schreiben, sondern bewusst satirisch. Dadurch wird es für mich jedoch erst recht authentisch, und man entdeckt die Melancholie hinter den flaksig-humorvoll gbeschriebenen Geschichten.

Ich werde das Buch von Wulff-Bräutigam auf jeden Fall mal lesen (aber eher nicht kaufen, sondern in der Bücherei ausleihen ;-) ), schon, um die beiden miteinander vergleichen zu können.
Elbe, falls Du Das Dosenmilch-Trauma auch gelesen hast, würde mich interessieren, was Du von beiden im Vergleich zueinander hältst,.

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Zu den Steinen hat einer gesagt: 'Seid menschlich.'
Die Steine haben gesagt: 'Wir sind noch nicht hart genug.'
(Erich Fried)

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 Betreff des Beitrags: Re: Rezension: Katharina Wulff-Bräutigam, Bhagwan, Che und ich
BeitragVerfasst: 19. Feb 2011, 05:35 
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Das Dosenmilch-Trauma kenne ich nicht, klingt aber interessant. ;)

Allerdings ist es bei diesem Buch (leider) nicht so, dass die Autorin das Ganze nicht so ernst nimmt - sie scheint eher Spaß daran zu haben, sich als Opfer darzustellen (womit sie ja sogar Recht hat; aber die Darstellungsweise ist nicht grade gelungen). Insgesamt aber wie gesagt durchaus lesbar. ;)

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 Betreff des Beitrags: Re: Sammelthread: Rezensionen zu (Auto-)Biografien
BeitragVerfasst: 17. Dez 2011, 14:14 
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Karin Jäckel & Gisela Forster,
Denn das Weib soll schweigen in der Kirche
Eine exkommunizierte Priesterin erzählt

Die katholische Kirche und die Frauen - ein Thema, das umstritten ist und immer wieder aufgegriffen und diskutiert wird. In diesem Buch wird eine sehr persönliche Sicht auf dieses Thema dargestellt, die mit den Lebenserfahrungenen einer Frau verknüpft ist. Mit einem Priester liiert, mit ihren Kindern allein gelassen und schließlich aus der Kirche ausgeschlossen, weil sie versuchte, das Frauenbild und vor allem die Rolle der Frau in der katholischen Kirche zu reformieren.

Bewertung

Das Buch hat mich dadurch fasziniert, dass hier ein Leben zwischen in die Mühlen einer steinalten Institution gerät. Man kann noch so abstrakt und sachlich über das Thema "Frauen und (katholische) Kirche" recherchieren, nachdenken und diskutieren, aber auf die rein sachliche Ebene ist nicht ausreichend. Denn man darf nicht vergessen, dass es um Menschen geht und nicht nur um eine Institution an sich.
Man kann der guten Frau vorwerfen, wie naiv sie ist. Sicherlich ist sie es auch; das ist zumindest meine Meinung. Vor allem im Hinblick auf ihre Kinder hätte sie sich an vielen Stellen vielleicht besser anders verhalten - aber aus einer unbeteiligten Position heraus kann man so etwas auch immer leicht sagen.
Man sollte ihr definitiv zugute halten, dass sie sich für ihre Interessen eingesetzt hat - und nicht nur für ihre eigenen, sondern die zahlreicher Anderer ebenfalls. Dieser Umstand fällt am meisten in die Waagschale.

Das Buch ist angenehm zu lesen und für jeden zu empfehlen, der entweder erfahren möchte, wie das "abstrakte" Thema aus einer persönlichen Sichtweise aussieht, oder der einfach eine interessante Geschichte eines ebenso interessanten Menschen kennen lernen möchte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Sammelthread: Rezensionen zu (Auto-)Biografien
BeitragVerfasst: 28. Dez 2011, 21:13 
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Louis Begley,
Die ungeheuere Welt, die ich im Kopfe habe
Über Franz Kafka


In diesem Buch wird das Leben Franz Kafkas Beschrieben und ein Zusammenhang zwischen seiner eigenen Lebensgeschichte und seinen literarischen Geschichten hergestellt.

Bewertung

Gerade diese Verknüpfung von Leben und Literatur hat mir sehr gut gefallen. Die oft Interpretierte Rolle des Vaters in Kafkas Werken wird natürlich aufgegriffen - doch sie ist nur ein Aspekt von vielen, denen der Autor dieses Buches seine Aufmerksamkeit schenkt.

Ich kann hier schlecht ins Detail gehen, deshalb bleibe ich bei einem kurzen Überblick: Das Buch ist gut geschrieben, sinnvoll aufgebaut und Jenseits des Geschwurbels, das man über Kafka gelegentlich lesen muss.
Kennt man Kafkas Werke nicht, ist dieses Buch ein guter Einstieg, um sich einen Überblick über die Person und ihre Literatur zu verschaffen. Hat man jedoch viel Kafka gelesen, eignet sich dieses Buch, um noch einmal einen zusammenfassenden Blick auf das Gesamtwerk zu werfen und mit einigen interessanten Hintergrundinformationen anzureichern.

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