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 Betreff des Beitrags: Sammelthread: Rezensionen zu Science-Fiction
BeitragVerfasst: 5. Jan 2011, 14:50 
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Jean-Christophe Rufin,
Globalia

Globalia ist die Welt der Zukunft, in der ewige Jugend und Unsterblichkeit zum Greifen nahe sind. Es gibt keine Staaten und keine Grenzen - bis auf die Grenze zwischen den durch riesige Kuppeln geschützten Zonen Globalias und den Non-Zonen, großtenteils zerstörte, verseuchte und sich selbst überlassene Gebiete. Baikal, ein rebellisch gesinnter Jugendlicher, versucht der "Freiheit" Globalias zu entfliehen, um in den Non-Zonen wahre Freiheit zu finden. Nachdem er bei einem Ausbruchsversuch festgenommen wurde, wird ihm das unglaubliche Angebot gemacht, mithilfe des "Gesellschaftszuschutzes" zu entkommen - um der neue Feind zu werden, gegen den sich Angst und Zorn der Globalier richten können...

Bewertung:

Insgesamt hat mir der Roman sehr gut gefallen. Der Autor hat einen sehr flüssigen, sehr sauberen Stil und auch die Übersetzung von Claudia Steinitz ist sehr gelungen. Das Setting wird liebevoll und mir einem Auge für Details eingeführt und ausgemalt, ohne Infodump zu erzeugen.
Der Plot ist nicht neu, bringt jedoch neue Elemente mit sich und damit auch neue gesellschaftspolitische Aspekte, die sich auch auf unsere Zeit übertragen lassen. Dabei wirkt der Roman jedoch nicht überheblich, moralisch und betont philosophisch, sondern frisch und zwanglos.
Besonders erfrischend sind auch die Wenden, die der Roman nimmt, wenn man ihn durchschaut zu haben meint. Allerdings werden auch diese Wenden rechtzeitig und konsequent ein- und durchgeführt, sodass sie nicht aus der Luft gegriffen wirken.

Einige wenige Detailfehler sind enthalten, was angesichts der kreativen Leistung hinter dem Setting zu verschmerzen ist. ;)

Fazit: Französische Sci-Fi ist zwar nicht die bekannteste, zählt aber in diesem Falle definitiv zur lesenswerten.

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 Betreff des Beitrags: Re: Sammelthread: Rezensionen zu Science-Fiction
BeitragVerfasst: 8. Jan 2011, 03:42 
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Titel: Von und zum Schein
Dan Simmons
Die Hyperion-Gesänge

Da der Inhalt nur sehr schwer in einigen Sätzen zu erfassen ist, hier ein Zitat aus der deutschen Wikipedia zur allgemeinen Thematik der Romanreihe:
Zitat:
Die Hyperion-Gesänge nimmt sich auf seinen über 1400 Seiten verschiedenster monumentaler Themen an: Götter und Religionen, Philosophie und Dichtung, Ethik und Moral, künstliche Intelligenzen, Ökologie und Zeitreisen im Rahmen einer interstellaren Gesellschaft. Zusammen mit Spannungselementen wie Weltraum- und Bodenschlachten und emotionalen Themen wie die Macht der Träume und der Liebe im Universum verknüpft Simmons diese unterschiedlichen Elemente zu einer epischen und aktionsreichen Vision einer High-Tech-Zukunft.


Bewertung
Als ich das letzte der vier Bücher weggelegt hatte, befand ich mich in einer Art Trance und konnte den Rest des Tages an nichts anderes denken (zum Glück war es ein Sonntag). Ich bin kein naiver Leser; die meisten großen Klassiker wie Asimov, Lem, Huxley, sowie auch neueres wie Orson Scott Card und Lukianenko teilen sich einige Bretter im Regal. Nichts davon hat mich auf das übrewältigende Erlebnis von Hyperion vorbereitet. Wer auch nur ansatzweise etwas mit Science Fiction anfangen kann, darf sich diese Romanreihe nicht entgehen lassen. Es sei nur ein Wort der Vorsicht geboten: danach wird euch das durchschnittliche "gute" Buch trivial und langweilig vorkommen.

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Zuletzt geändert von lizard am 11. Jan 2011, 04:56, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Sammelthread: Rezensionen zu Science-Fiction
BeitragVerfasst: 10. Jan 2011, 20:04 
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Ray Bradbury,
Fahrenheit 451

Der Titel stammt von der Temperatur, bei der Papier Feuer fängt - und damit auch Bücher und andere Schriftdokumente, die in der Zukunftswelt des Autors strengstens verboten sind. Diese vom Staat angeordneten und koordinierten Bücherverbennungen sind auch die einzigen Feuer, die in dieser Welt noch entstehen: Alle Gebäude und sonstigen Materialien sind im wahrsten Sinne des Wortes feuerfest. Nun könnte man meinen, dass in so einer Welt kein Platz für eine Feuerwehr ist - doch gerade diese ist es, die dafür zuständig ist, die verbotenen Bücher zu verbrennen und damit ihre endgülige Vernichtung anzustreben.
Der Protagonist ist ein Feuerwehrmann namens Montag, der mit seiner Frau ein beschauliches Leben führt. Doch dann trifft er ein junges Mädchen, dass "merkwürdig" ist und so gar nicht in diese Welt zu gehören scheint. Sie fragt ihn sogar, ob er "glücklich" sei. Unter anderem davon angeregt beginnt Montag, sich über Staat und Gesellschaft Gedanken zu machen und eignet sich Schrittweise immer mehr Bücher an, um diese im Geheimen zu studieren und zu verstehen, warum die Feuerwehr sie vernichten soll...

Bewertung

Ein Buch über Bücherverbrennung? Super Thema! Eine ausgefeilte Dystopie? Fehlanzeige.

Die Idee zu "Fahrenheit" ist wirklich super, die meisten Zusammenfassungen lesen sich auf wirklich gut - nur die Umsetzung lässt wirklich zu wünschen übrig...
Dabei sind ein paar Ansätze wirklich gelungen: Die Rolle der manipulativen, gleichgeschalteten Medien, deren Konsum das eigene Erleben ersetzt; der Einsatz von Medikamenten/Drogen, um die Menschen ruhig zu stellen. Eine kleine Gruppe von friedlichen Rebellen, deren Widerstand im Wesentlichen darin besteht, Bücher auswendig zu lernen. - Trotzdem hat das Buch definitiv einen großen Haken: Es versucht zu viele Themen abzuhandeln, ohne sie allzu weit auszugestalten. Prinzipiell ist es natürlich vollkommen in Ordnung, wenn manche Dinge nur einmal in einem Nebensatz in einem Gespräch zwischen zwei Charakteren erwähnt werden - aber diese Erwähnung sollte einfach einen Sinn haben und nicht nur den, dem Leser zu zeigen, wie toll ausgearbeitet doch das Setting ist. Darüber hinaus werden oft einzelne Aspekte aufgegriffen und wieder fallen gelassen, bevor ein anderer Aspekt aufgegriffen und wieder fallen gelassen wird usw.. Daneben gibt es zwar durchaus Themen, die sich durch das ganze Buch ziehen; dies jedoch auf rein wiederholende Art und Weise, dass nichts Neues dazu kommt und im Prinzip immer nur das Selbe wiederholt wird: Schlimme neue Medien, schlimme neue Medien, schlimme neue Medien...

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 Betreff des Beitrags: Re: Sammelthread: Rezensionen zu Science-Fiction
BeitragVerfasst: 11. Jan 2011, 04:54 
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Titel: Von und zum Schein
@über mir:

du must das ganze immer im zeitlichen kontext sehen elbchen. das buch wurde meines wissens in den 50ern geschrieben, da gab es halt noch (fast) keine computer und fernsehen war auch noch relativ neu, die gesellschaft war noch viel mehr auf das gedruckte wort angewiesen. und zensur war mit dem beginn des kalten krieges wieder ein großes thema. was das berühren vieler "aspekte" angeht, ist es meines erachtens das zeichen eines guten science fiction romans. wenn man einfach nur eine einzige interessante idee nimmt und auf 200-300 seiten plattwalzt, kommt meistens nur ein mäßiges buch dabei raus.

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 Betreff des Beitrags: Re: Sammelthread: Rezensionen zu Science-Fiction
BeitragVerfasst: 11. Jan 2011, 10:18 
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@ lizard, wegen "Fahrenheit":

Natürlich muss man das Buch im zeitlichen Kontext betrachten, da stimme ich dir vollkommen zu - allerdings kritisiere ich ja auch keinen der inhaltlich präsentierten Techniken, sondern die literarische Technik, mit der diese Inhalte dargestellt werden. ;)
Ausgewalzt sollte das Ganze auch nicht unbedingt werden, aber es gibt denke ich immer gute Mittelwege. Und wenn etwas nicht in den Plot passt, sollte man diesen Teil des Settings mMn lieber weglassen, als ihn unbedingt noch anbringen zu müssen; oder der Plot sollte dementsprechend gestaltet werden.

Aber ich bin mir durchaus bewusst, dass andere Leute zu diesem Buch andere Meinungen haben - und das ist ja auch OK. Du kannst ja auch gerne eine eigene Bewertung schreiben. Ist doch immer interessant, etwas aus mehreren Blickwinkeln zu sehen. :)

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 Betreff des Beitrags: Re: Sammelthread: Rezensionen zu Science-Fiction
BeitragVerfasst: 11. Jan 2011, 17:22 
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Titel: Von und zum Schein
ich fand das buch auch nicht berauschend, vermutlich weil ich es in einem wisch mit brave new world, 1984 und neuromancer gelesen habe, die es mMn alle um längen schlagen. vor allem hat mich gestört, dass die handlung sich an einigen stellen um realismus benüht, während sie an anderen stellen grotesk und fast surrealistisch wirkt. als leser denkt man sich dann: "was denn nu, entscheid' dich mann!"
mit meinem kommentar wollte ich nur sicher gehen, dass dir bewusst ist, wie "relevant und revolutionär" die ideen des guten herren bradburry damals waren, was den erfolg des buches erklärt.

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 Betreff des Beitrags: Re: Sammelthread: Rezensionen zu Science-Fiction
BeitragVerfasst: 22. Mai 2011, 19:58 
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Cory Doctorow,
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Der Roman spielt in einer Zeit, die der unseren in macherlei Hinsich gar nicht so unähnlich ist - eine zentrale Rolle spielt dabei das Internet, wie der Titel schon vermuten lässt.

Art, der Ich-Erzähler, befindet sich zu Beginn des Romans auf dem Dach einer Psychatrie; wie er dorthin gelangt ist und warum, erzählt er dem Leser nach und nach. Um nicht zu viel zu verraten: Es geht um eine Intrige aus wirtschaftlichen Interessen, die sich einem festen Netzwerk, im Prinzip einer Online-Community, entgegen stellt und ihre Loyalität untergräbt...

Bewertung

Der Roman hat mir sehr gut gefallen. Er ist spannend geschrieben und der Ich-Erzähler kommt weder langweilig noch altklug daher und berichtet nicht "authentisch introspektiv", was kein Schwein interessiert... ;)

Besonders witzig fand ich beim Lesen, dass Chatlogs als Stilmittel auftauchen; schon alleine dadurch hebt sich der Roman von vielem ab, das über das Internet und damit verbundene Phänomene geschrieben wird. Interessant ist auch das durchscheinende Thema der Loyalität zu virtuellen Kontakten und Netzwerken. Dabei wird der Roman jedoch nicht belehrend, sondern erzählt einfach seine Geschichte. Die Moralkeule bleibt irgendwo auf den ersten paar Seiten stecken, was auch gut so ist. ;)

Ich könnte noch etwas weiter in die Tiefe gehen, was ich hier jedoch nicht machen werde - allerdings gibt es in dem 316-Seiten-Buch allerhand zu entdecken.

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 Betreff des Beitrags: Re: Sammelthread: Rezensionen zu Science-Fiction
BeitragVerfasst: 27. Mai 2011, 19:28 
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Iva Procházková,
Wir treffen uns, wenn alle weg sind

Mojmir ist Rom, wächst in einem Heim auf und macht eine Lehre zum Koch. Da er sich nicht für das Weltgeschehen interessiert, geht die neue Seuche EBS zunächst informationstechnisch an ihm vorüber - sehr zum Unmut seines besten Freundes. Denn EBS ist nicht irgendeine Krankheit, sondern ein Erreger, der die Menschen sich auflösen lässt, bis nichts mehr von ihnen übrig bleibt.
Als das Aussterben der Menschen beginnt, befindet sich Mojmir in einem kleinen Häuschen in den Bergen, wo er eine sterbende alte Frau, die an Krebs leidet, begleitet. "Omi" hatte ihn schon als Kind zusammen mit anderen Kindern aus dem Heim eingeladen, die Ferien bei ihr zu verbringen. Durch die Pflege seiner quasi-Großmutter entgeht Mojmir der Seuche und findet sich schließlich in einer Welt wieder, die nur noch von wenigen Menschen bevölkert zu sein scheint.

Bewertung

Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, das Buch zu lesen. Am Anfang fand ich es etwas gewöhnungbedürftig, weil es dort eher vor sich hin dümpelt; später sind die Informationen, die auftauchen, jedoch relevant und man bekommt von Anfang eine Ahnung, wie es weiter geht. Der Roman lässt Mojmir aus der Ich-Perspektive erzählen und manche Ereignisse in Randbemerkungen vorgreifen - allerdings immer so, dass es nicht wirklich viel über den weiteren Verlauf der Handlung verrät.
Etwas irritiert hat mich der Perspektivwechsel zu einem anderen Charakter (welcher sei hier noch nicht evrraten ;)) am Ende des Buches. Diesen finde ich recht unnötig und eigentlich ziemlich kontraproduktiv für das Erzählen.
Der Stil hat mir sehr gut gefallen, da er sich flüssig liest. Besonders gelungen finde ich auch die Dialoge - hier sei vor allem ein kleines Gespräch zwischen einem frommen Christen und Mojmir zu nennen, in dem es um Kaffee und Religion geht. ;)

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