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Moderator: Schattenelfe



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 Betreff des Beitrags: Das Metrum und das X
BeitragVerfasst: 18. Aug 2010, 02:39 
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Hier also die angekündigte Ausführung zum Durch-X-en (ließ: "Durchicksen") von Gedichten. Dabei handelt es sich um eine Methode, um das Metrum eines Textes zu bestimmen und aufzuzeigen, inwiefern es Unregelmäßigkeiten aufweist.

Prinzipiell wird dabei jede Silbe eines Wortes durch ein "X" ersetzt. Man unterscheidet dabei zwischen Groß- und Kleinschreibung: Ein großes X bedeutet, dass die dadurch repräsentierte Silbe betont gesprochen wird, ein kleines x repräsentiert hingegen eine unbetonte Silbe.

Beispiele:

Sil-be => Xx => 1. Silbe wird betont gelesen, die zweite unbetont (Silbe)
Dieses Beispiel => XxXx => 1. Silbe betont, 2. unbetont, 3. betont, 4. unbetont (Dieses Beispiel)

Genauso kann man es auch mit ganzen Sätzen oder Versen machen:

Alle warten auf ein Beispiel, => XxXxXxXx => Alle warten auf ein Beispiel,
das erklären soll den Sinn. => XxXxXxX => das erklären soll den Sinn.

Dabei wird es aber schon komplexer: In obigem Beispiel sind nämlich "auf" (Vers 1) und "soll" (v.2) keine natürlichen Hebungen (= betonte Silben), sondern "unnatürliche", wenn man so will. Das ist einer der Punkte, wo es etwas variabel wird; das oben genannte Beispiel kann zwar metrisch flüssig gelesen werden (wie durchge-x-t), ist aber trotzdem leicht zurechtgebogen. Ebenfalls variabel bzw. immer wieder Gegenstand von Auseinandersetzungen sind Wörter, die man unterschiedlich viele Silben trennen kann.

Beispiel:

Gra-zie =|= Gra-zi-e

Für beide Formen gibt es seine Anhänger - im Zweifelsfall würde ich aber immer zu Gunsten des Verfassers plädieren und die metrisch jeweils passendere Form als die akut richtige bezeichnen. Das geht aber auch nur, wenn beide Formen wenigstens einigermaßen gebräuchlich sind.

Die x-Form wird meistens nicht neben den Text geschrieben, wie oben bei den Beispielen, sondern steht für sich alleine. Durch die Einteilung in Verse ist es bei Lyrik kein Problem, das Schema dem richtigen Vers zuzuordnen.

Beispiel:

XxXxXxXx
XxXxXxX
XxXxXxXx
XxXxXxX

XxXxXxXx
XxXxXxX
XxXxXxXx
XxXxXxX

(Das wäre ein absolut reines Metrum.)

Ich hoffe, das Ganze ist etwas klarer geworden - wenn nicht, einfach nachfragen (wie immer ;))!

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 Betreff des Beitrags: Re: Das Metrum und das X
BeitragVerfasst: 30. Sep 2010, 10:28 
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Es gibt verschiedene Arten von Metren. Heute unterscheidet man dabei im Wesentlichen vier Formen, um die es im Folgenden geht:

NameSchema
JambusxX
TrochäusXx
DaktylusXxx
AnapästxxX


Wie man an den dargestellten Schemata erkennen kann, muss ein Metrum dabei nicht immer aus zwei Silben bestehen, sondern kann auch aus dreien bestehen.

Jeweils zwei dieser Versfüße (s.u.) bilden das Antonym zum jeweils anders, stellen also sozusagen das Gegenteil dar. Jambus und Trochäus sind dabei ein solches Paar, während Daktylus und Anapäst das andere sind.

Ein Metrum beschreibt immer den Gesamtrhythmus des Textes umd besteht aus mehreren Versfüßen. Als Versfuß bezeichnet man dabei eine kleine Einheit, z.B. einen einzelnen Jambus. Werden viele Jamben aneinander gereiht, entsteht logischerweise ein jambisches Metrum.

Beispiel:

Es ist ein Beispiel ohne Sinn

xXxXxXxX

Metrum insgesamt: jambisch, vierhebig ( = vier Hebungen in einem Vers)
Eine Farbe = ein Versfuß


Das Metrum eines Gedichtes hat einen sehr großen Einfluss auf dessen Wirkung, vergleichbar mit der Melodie eines Liedes. Es ist also nicht nur irgendein Rhythmus als Nebenprodukt, sondern sollte ernsthaft bedacht werden. (Das Selbe gilt für Gedichte mit einer losen Sprachmelodie.)

Dabei werden klassischerweise bestimmten Metren bestimmte Wirkungsweisen zugeordnet:

Jambus: Fröhlich, lebhaft, aufgewühlt, bewegt usw.
Trochäus: Traurig, betrübt, melancholisch, nachdenklich, seufzend (!) usw.
Daktylus: tanzend (wie Walzer ;) ), leicht, beschwingt, bewegt; aber auch "abfallend", resigniert usw.

Wie sicherlich aufgefallen ist, habe ich Anapäst bei dieser Aufzählung weggelassen. Das hat einen sehr einfachen Grund: Dieser Versfuß wird sehr selten bis gar nicht verwendet und kommt wenn überhaupt meistens nur zu Beginn eines Verses mit jambischem Metrum vor, der einen unbetonten Auftakt hat.

Als Auftakt bezeichnet man eine "überflüssige" Silbe, die zu beginn eines Verses steht und eigentlich keinem Versfuß zuzuordnen ist.

Beispiel:

Und es bleibt doch alles wie es war

xxXxXxXxX

xxXxXxXxX

Das weiße x zu Beginn stellt dabei den Auftakt dar. Das Ganze ist dem Auftakt in der Musik sehr ähnlich.

Dann gibt es noch sog. Kadenzen. Dabei unterscheidet man männliche und weibliche Kadenzen, was man sich dank Klischees sehr gut merken kann. Von einer männlichen Kadenz spricht man dann, wenn ein Vers mit einer betonten Silbe endet. Eine weiblicke Kadenz ist hingegen, wenn ein Vers auf einer unbetonten Silbe endet. Auch hier ist die Wirkungsweise bedeutsam; männliche Kadenzen eignen sich besonders, um einen Ausruf zu verdeutlichen, weibliche Kadenzen wirken i.d.R. als sanfterer Ausklang.


Das alles hier stellt nur einen Überblick über die wichtigsten Aspekte dar. Darüber hinaus gibt es noch weitere Formen, Zusammensetzungen und Anwendungen, die auch begrifflich genau festgelegt sind. Eine weitergehende Ausführung kann bei Bedarf gerne erfolgen und auch ansonsten sind Rückfragen u.Ä. natürlich willkommen. :villafrage:


:gif_97_07: Dies alles bezieht sich auf die akzentuierende Metrik, da diese in der deutschen Literatur angewandt wird. Daneben gibt es jedoch noch die quantitierende Metrik, die man vor allem aus lateinischer Dichtung kennt. Bei Letzterem spielt zur Einhaltung eines Metrums grob gesagt die länge einer Silbe eine Rolle (die streng festgelegt ist) und die Verteilung von langen und kurzen Silben. Wer sich dafür interessiert und sich etwas mit Latein auskennt, kann ich exemplarisch die Metarmorphosen von Ovid sehr ans Herz legen (abgesehen davon, dass man davon auch viel kennt, weil sie eigentlich zur Allgemeinbildung gehören). Von einer ausführlicheren Beschreibung zur quantitierenden Metrik werde ich an dieser Stelle (vorerst) absehen. Bei Interesse empfehle ich den Wikipedia-Artikel, um sich grob zu orientieren.

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