Dark Poets

Die Seite für dunkle Poesie
Aktuelle Zeit: 21. Okt 2018, 14:46

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 6 Beiträge ] 
AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: Selbstmord
BeitragVerfasst: 18. Dez 2011, 11:01 
Offline
Moderator
Benutzeravatar

Beiträge: 653
Wohnort: Hannover
Geschlecht: männlich
Ausgehend von Azraels Text "Selbstmord" gefuhle-f10/selbstmord-t1970.html möchte ich diese Diskussion starten.

Selbstmord scheint mir ein recht wahrscheinliches Ende einer Schriftstellerkarriere zu sein. Insbesondere Schriftsteller des Expressionismus - man spricht auch von der "Generation der 20-Jährigen" - schienen trotz phantastischem, literarischem Talent mit ihrem Leben unzufrieden, weshalb sie es vorzeitig beendeten.

Ist man als Schriftsteller selbstmordgefährdeter als andere Berufsgruppen? Oder fällt es da nur so auf, weil wir uns für Literatur interessieren? Braucht man als Poet eine besondere Beziehung zum Tode, um so schreiben zu können wie wir schreiben?

Das nur mal als anregende Fragen für eine Diskussion um die Beziehung Schreiberling - Tod.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Selbstmord
BeitragVerfasst: 18. Dez 2011, 17:57 
Offline
Benutzeravatar

Beiträge: 458
Geschlecht: männlich
Ich würde Selbstmord hintergründe nicht in einer Berufung suchen sondern eher an der Person selbst, obwohl die Beziehung existiert, dass Selbstmörder ev. zu gewissen Berufen sich mehr zugetan fühlen als zu anderen.

Aber wer ist prinzipiell mal Selbstmordgefährdet? Meinen Erachtens sind nur jene Selbstmordgefährdet die ein hohes emotionales Potential aufweisen oder hohe Ansprüche auf Wertvorstellungen besitzen. Beispiele für emotionale sind jene die aus einer verlorenen Liebe sich umbringen, Wertvorstellungen wäre jene Situation klassisch wo sich der Mann umbringt weil er seinen Job verloren hat und somit seine Familie nicht mehr ernähren kann. Der Hintergrund eines Selbstmordes ist also ein für die Person wichtiges und essentielles Element für das Leben gemischt mit einer Gefühls Einwirkung und der vermeidlichen Gewissheit, dass es sich nicht mehr zum Guten wenden kann.

Die relativ bekannten Selbstmorde der Autoren sind aus den gleichen Gründen zu erklären. Nehmen wir mal die zwischen Kriegszeit als Beispiel. Viele österreichische Autoren haben in der Literatur den Zerfall der Monarchie verarbeitet. Sie verloren ihre Heimat, manche ihre Überzeugungen und schlussendlich einen Grundstein zu ihrer Identifikation. Und jetzt stellt euch vor wie ein Autor der solch für ihn wichtigen Bestandteil seines Lebens das er als selbstverständlich hielt zerfällt und keine für ihn gleich bedeutende Heimat mehr findet und in jedem seiner Werke und geschriebenen Zeilen es immer wieder erneut vor die Nase reibt ohne einen Ausweg zu finden. Solche Autoren sind dann durchaus Selbstmordgefährdet (die es dann auch wirklich gab).

Aber auch hier sind Gefühle und Prinzipien die Gründe. Autoren besitzen nur einen deutlichen Unterschied... sie beschäftigen sich mehr mit jenen Themen die die Normalbevölkerung wohl nicht anzufassen getrauten. Denn jeder Autor benötigt zum schreiben Erfahrungen, Erlebnisse und versuchen Dinge zu berühren die sonst keiner wagte. Also liegt schon in der Berufung an sich die Philosophie die von sich aus keine Grenzen kennt. Darin liegt auch die Gefahr, Autoren sollten einen starken Geist besitzen, ansonsten könnte es problematisch werden.

Ein gutes Beispiel für solche Problematik ist der Grundgedanke, dass Autoren versuchen ihre Gedanken und Einstellungen sowie Gefühle in Geschichten zu verpacken und diese mit den Mitmenschen zu teilen. Ob nun aus Vergnügen oder aus einem ernsten Hintergrund (Kritik an die Gesellschaft usw.).
Das Kapital eines Autoren ist somit die Gedankenwelt, die Kreativität und das Einfühlungsvermögen sowie Verständnis für die Welt und ihre Läufe.

Dazu habe ich ein ziemlich gutes und praktisches Beispiel. Nämlich ich selbst. Damals als ich in Depression war begann ich eigentlich mit dem schreiben um meine Gedanken und Gefühle zu verarbeiten. Diese Werke kamen gut an und schlussendlich prägte sich in mir ein, dass meine Kunst aus Leid besteht und nur durch dieses Gefühl so einzigartig und gut werden könne. Als ich dann jedoch aus der Depression geführt wurde und immer mehr zum Glück überging, hatte ich Angst, dass dadurch meine Kunst verloren ginge, weil ich nicht vorstellen konnte, dass man aus positiven Gefühlen heraus etwas gleichwertig gutes oder besseres schaffen könnte.

Ich habe mich jedoch eines besseren belehren lassen, andere jedoch würden Verzweifeln und da möchte ich eben den Hinweis setzen mit dem starken Geist... Autoren brauchen ein Sinn für die Weite ihrer Gedanken und wie viel für sie tatsächlich zumutbar ist und welche Dinge sie lieber nicht anfassen sollten.



Das mal kurze spontane Gedanken. Ich denke die Zusammenhänge kann man hier gut herauslesen und besonders die komplexe Struktur die hinter einem Selbstmord liegen kann.

mfg
Azrael


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Selbstmord
BeitragVerfasst: 18. Dez 2011, 19:42 
Offline
Moderatorin
Benutzeravatar

Beiträge: 317
Wohnort: Velbert
Geschlecht: weiblich
Titel: Poetin dder Nacht
Ich für mich persönlich habe festgestellt, dass Menschen, die voll Phantasie und Gedanken sind eher zum Selbstmord neigen, oder zum Gedanken daran, als Menschen, die das Leben nehmen wie es ist. Je weniger man sich der Oberflächlichkeit der Gesellschaft hiingibt, umso gefährdeter ist man. Es ist vielleicht die Art, wie gerade Schriftsteller die Welt betrachten und die Fähigkeit, sich in Menschen und ihre Situationen hineinzu versetzten und Gefühle nachvollziehen zu können.
Scheinbar haben Schriftsteller eher die Fähigkeit empatisch veranlagt zu sein und sind deshalb gefährderter. Phantasie kann eben Segen wie auch Fluch sein und es führt nicht immer in eine positive Richtung.
Ich muss mich da im großen und ganzen Azrael anschließen, der das sehr gut in Worte gefasst hat. Mitunter bleibt zu sagen, dass jeder Mensch selbst sehen muss, wie er mit den Widrigkeiten des Lebens klar kommt. Selbstmord ist da nicht immer der beste Ausweg. (und ich spreche da aus Erfahrung)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Selbstmord
BeitragVerfasst: 19. Dez 2011, 17:03 
Offline

Beiträge: 396
Wohnort: Hamburg
Geschlecht: weiblich
Habe gerade "die Demütigung" von Philip Roth gelesen.
In dem Buch geht es um Selbstmord
und es ist sehr bewegend und verzweifelt geschrieben.

Hermann Hesse hat mal geschrieben:"...der Gedanke daran tut oft wohl, auch mir".

_________________
...und mein Stamm sind jene Asra,
welche sterben, wenn sie lieben.
H.Heine


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Selbstmord
BeitragVerfasst: 20. Dez 2011, 03:33 
Offline
Admina
Benutzeravatar

Beiträge: 475
Wohnort: Berlin
Geschlecht: weiblich
Titel: guter Admin
Also, dann verfeinere ich hier mal noch etwas, was ich als Textkommentar schon geschrieben habe:
ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ich es als Angehöriger auch als sehr egoistisch empfinden würde und neben meiner Trauer auch wütend wäre, wenn ein Angehöriger Suizid begehen würde.

Grundsätzlich finde ich aber:
die grundlegende Erkenntnis, die mMg nach das Erwachsenwerden kennzeichnet, ist das Bewusstsein, dass man gezwungen ist, sein Leben letztlich allein zu bewältigen. Niemand kann einem das Leben abnehmen, und niemand kann für das eigene Handeln die Konsequenzen übernehmen. Der Mensch, dem man in die Augen blicken können muss, ist man selbst. Deshalb hat meiner Ansicht nach auch kein anderer das Recht, darüber zu urteilen, wenn jemand seinem Leben ein Ende bereitet.

Für mich persönlich käme Suizid nicht in Frage - dazu habe ich zu viel Respekt vor dem Leben. Ich denke einfach, es steht nicht in meiner Macht, ein Leben zu beenden - diese Maxime beherzige ich auch im Berufsleben, selbst wenn viele die Art von Leben, das viele meiner Patienten führen, als Quälerei bezeichnen würden. Ich kann mich da allerdings nur wiederholen - wer, außer dem Betroffenen selbst, entscheidet denn, welches Leben lebenswert ist?

_________________
Zu den Steinen hat einer gesagt: 'Seid menschlich.'
Die Steine haben gesagt: 'Wir sind noch nicht hart genug.'
(Erich Fried)

Bild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Selbstmord
BeitragVerfasst: 20. Dez 2011, 23:29 
Offline
Benutzeravatar

Beiträge: 458
Geschlecht: männlich
Ich muss Abraxa in vielen Dingen recht geben, aber zu dem "welches Leben lebenswert sei " hätte ich da ein paar andere Gedanken.

Mein erster Gedanke war... "Weshalb wird uns das Leben in die Wiege gelegt, wenn es nicht lebenswert sei?" Selbst in größter Not findet man überall wenn man seine Augen offen hält Funken vom Leben die wichtig sind.

Grundsätzlich weiß jeder, dass das Leben Höhen wie auch Tiefen besitzt, doch die wenigsten überlegen sich wie ein Leben nur im Tief oder nur im Hoch aussehen würde oder welche Bedeutungen das jeweils Andere für den Gegenüber hat. Wer nur Gutes im Leben erfährt, weiß es kaum zu schätzen was er besitzt, wer stets nichts hat wird den Wert für Höheres kennen lernen, aber auch den Wert des kleinen. Somit sind Höhen und Tiefen nicht nur Selbstverständliches, sie zeigen uns was wichtig in diesem Leben ist und worauf wir achten sollen. Es zeigt den Wert und welche Dinge wir schätzen sollen.

Wer kennt nicht den Gedanken die Zeit zurück drehen zu wollen weil man einen Moment zu wenig lang genossen hat? Weil man dachte man könnte es nicht verlieren? Oder es ewig sei? Und ich bin mir sicher, beim nächsten mal genießen wir mehr.

Was ich damit sagen will ist... wir die Menschen sind nicht in der Lage über das Leben und seine Wertigkeit zu urteilen, weder sein eigenes noch die von anderen, weil wir niemals in der Lage sind die gewaltigen Zusammenhänge des Schicksals, der Zeit und den Strömen des Lebens nachzuvollziehen. Wir können nur für einen Moment beurteilen, was für uns zwar richtig erscheint, jedoch im Ganzen betrachtet falsch ist.

Wie oft sagt man, dass alles vorbei ist? Und wie oft folgt nach noch so langen Tief plötzlich einen Aufschwung? Wer keinen Aufschwung erfährt hat einfach den Blick für das Wesentliche verloren und hat die Chancen die ihm sein Leben bietet einfach nicht gegriffen (wahrscheinlich weil er es verurteilt hat (und ich schreibe bewusst verurteilt und nicht beurteilt)).

Das Pendelprinzip erklärt es eigentlich voll trefflich, so tiefer wie man fällt so höher wird man steigen, so hoch wie man steigt so tief kann man wieder fallen.

Wer also die Gesetze des Lebens erkennt wird feststellen das ein Selbstmord eine sinnlose Investition ist, denn es ist einfacher die Hand zu öffnen, ein Chance zu ergreifen und glücklich zu sein, als sein eigenes Leben auszuhauchen.

mfg
Azrael


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 6 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
cron
© phpBB® Forum Software phpBB3 Forum von phpBB8.de
» Kontakt & Rechtliches Support / Hilfe Forum Gooof Webdesign Kostenloses Forum Dein Forumo Forum web tracker
Gothic Toplist by nachtwelten